Eine Vergrößerung des Gesichtsfeldes um 5 Sehwinkelgrad – was bedeutet das eigentlich? Ist das viel oder wenig?

Wer sich über die Visuelle RestitutionsTherapie von NovaVision informiert, möchte selbstverständlich immer auch wissen, wie wirksam sie ist und wieviel Seh-Verbesserung damit erreicht werden kann.

Auf unserer Webseite erhalten Sie die Antwort, dass in mehreren klinischen Studien nach Abschluss von 6 Monaten VRT eine Vergrößerung des Gesichtsfeldes um durchschnittlich ca. 5 Sehwinkelgrad nachgewiesen werden konnte.

Und was heißt das jetzt? Was ist denn ein Sehwinkelgrad genau, wieviel gibt es insgesamt, und sind 5 (Sehwinkel-)Grad viel oder wenig?

Die Maßeinheit „Sehwinkelgrad“ wird zur Vermessung unseres Gesichtsfeldes, also des für uns sichtbaren Raums um uns herum, verwendet. Jeder von uns hat diese Erfahrung gemacht: stehen wir beispielsweise direkt vor einem Haus, können wir bei Geradeausblick vielleicht die Eingangstür und ein Fenster sehen – stehen wir auf der anderen Straßenseite, sehen wir das ganze Haus und vielleicht sogar noch die Garage nebenan. Unser Gesichtsfeld erweitert sich also bei größerer Entfernung und wird daher nicht linear in Meter oder Zentimeter gemessen, sondern mithilfe einer Winkelfunktion.

Definition: Der Sehwinkel beschreibt in der Physik und Ophthalmologie den Winkel, der sich von den Augen des Beobachters zu den beiden Endpunkten eines entfernten Objektes durch virtuelle Linien „aufzieht“.

g = tatsächliche Größe eines Objekts, r = Entfernung zum Objekt, α = Sehwinkel (oder scheinbare Größe)

Wieviel wir also bei einem Sehwinkelgrad erkennen und überblicken können, hängt immer von der Entfernung des entsprechenden Bildes oder Objektes ab.

 

Das Gesichtsfeld beider Augen zusammen beträgt horizontal 188 Sehwinkelgrad (je 94 Grad zu jeder Seite), das Gesichtsfeld eines Auges etwa 156 Grad. Die Gesichtsfelder beider Augen überlappen in einem großen zentralen Bereich (124 Grad), dadurch wird räumliches Sehen möglich. Das vertikale Gesichtsfeld beträgt etwa 70 Grad nach oben und etwa 80 Grad nach unten. (Dies sind Normwerte, die im Einzelfall deutlich abweichen können.)

Wir sehen jedoch in diesem großen Gesichtsfeldbereich nicht überall gleich gut. Denken Sie an das Haus, das Sie von der gegenüberliegenden Straßenseite betrachten: Sie sehen wahrscheinlich Eingangstür und Fenster scharf, erkennen die weiße Klinke an der dunkelblauen Tür und die bunten Blumentöpfe auf der Fensterbank. Die Garage an der Seite ist undeutlich, und um Farbe und Marke des Autos in der Garage zu erkennen, müssten Sie die Augen (und eventuell auch den Kopf) dorthin bewegen und „genau“ hinschauen. Genauso ist die Netzhaut unserer Augen aufgebaut: nur das, was wir direkt mit der Fovea des Auges anschauen, können wir scharf und mit allen Farben erkennen. Je weiter sich ein Objekt in der Peripherie unseres Gesichtsfeldes befindet, desto undeutlicher und „grauer“ wird es. Untenstehende Abbildung (linkes Auge)  eigt, wie schnell sich die Sehschärfe zur Peripherie hin verringert.

Im Alltag merken wir dies gar nicht so sehr, weil wir es gewöhnt sind, ständig unsere Augen und unseren Kopf zu bewegen, um etwas anderes in unserer Umgebung zentral und damit scharf zu sehen. Oft ist es auch nur die Wahrnehmung einer Bewegung im peripheren Gesichtsfeld, die uns veranlasst sofort hinzusehen und zu kontrollieren, ob diese Veränderung unserer Umgebung für uns von Bedeutung ist und wir darauf reagieren müssen.

Als „optimal nutzbares Gesichtsfeld“ (in Bezug auf Sehschärfe, Farbensehen, räumliches Sehen) gilt ein zentraler Bereich von insgesamt 60 Sehwinkelgrad, 30 Grad nach links und nach rechts. Zum effizienten Lesen ist ein „Lesefenster“ von etwa 5 Grad links und 8 Grad rechts von der Fovea erforderlich – aufgrund unserer Leserichtung von links nach rechts ist der Bereich rechts etwas größer.

Bei einem Ausfall zum Beispiel der rechten Gesichtsfeldhälfte auf beiden Augen (homonyme Hemianopsie nach rechts) wird mit der Visuellen RestitutionsTherapie in diesem zentralen Bereich mit 43 (2x 21.5) Sehwinkelgrad horizontal, und 32 (2×16) Sehwinkelgrad vertikal gearbeitet – die in den Studien gefundenen Veränderungen beziehen sich immer auf diesen Bereich.

Während eine Verbesserung um 5 Sehwinkelgrad ganz außen am Rand des peripheren Gesichtsfelds für das Sehen im Alltag wohl wirklich nur eine geringe Rolle spielt und gar nicht bemerkt werden würde, kann eine solche Verbesserung im zentralen Gesichtsfeld – dort wo mit der VRT gearbeitet wird – von außerordentlich großer, aber individuell sehr unterschiedlicher Bedeutung sein. Viele unserer Patienten berichteten, dass sie vor der VRT große Schwierigkeiten beim Lesen ihrer Tageszeitung oder einen Buches hatten, und danach wieder problemlos lesen konnten – eine Verbesserung von 5 Sehwinkelgrad im Bereich des oben beschriebenen Lesefensters ist hierfür völlig ausreichend. Auch für viele andere Tätigkeiten aus dem „Nah- und Lesebereich“ wurden uns solche Verbesserungen berichtet: Handarbeit, Handwerken, Kochen und Essen zubereiten, sich Frisieren und Schminken, in etwas größerer Entfernung Bildschirmarbeit und Fernsehen. Andere konnten vor der VRT nicht mehr räumlich sehen, weil sich die Gesichtsfelder beider Augen nicht mehr ausreichend überlagert haben – nach VRT war das räumliche Sehen wieder möglich.

Man darf außerdem nicht vergessen, dass die in den Studien gemessene durchschnittliche Verbesserung um 5 Sehwinkelgrad eben genau ein Durchschnittswert über alle Studienteilnehmer ist, und sich bei jedem Einzelnen auch ganz anders darstellen kann. Während die VRT manchmal keinerlei Verbesserungen erreichen kann, erleben andere eine Vergrößerung des Gesichtsfeldes um deutlich mehr Sehwinkelgrad. Nicht ungewöhnlich ist beispielsweise, dass sich eine homonyme Hemianopsie, also ein Gesichtsfeldausfall der gesamten rechten oder linken Hälfte, durch die VRT in einem der beiden betroffenen Quadranten fast vollständig zurückbildet. Verbessert sich der untere Quadrant, kann sich die Person wieder sicher fortbewegen, sieht Hindernisse auf dem Weg vor ihren Füßen, sieht Treppen und kann diese sicher hinauf- oder heruntersteigen. Verbessert sich der obere Quadrant, hat die Person in der Ferne wieder einen größeren Überblick, kann sich z.B. auf dem Bahnhof in der Menge oder im Kaufhaus wieder zurechtfinden.

Jeder Mensch erlebt eine Einschränkung seines Sehvermögens anders, jeder Therapieverlauf mit VRT ist individuell verschieden, jede Art von visueller Verbesserung wirkt sich unterschiedlich aus und wird von Person zu Person anders bewertet. Sicher ist jedoch, dass sehr viele Patienten mit VRT eine deutliche Verbesserung ihres Sehvermögens und ihrer Lebensqualität erreicht haben und erreichen können.

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